Das Mädchen hatte eine wunderschöne,
blutrote Rose in der Hand und starrte auf den Weg vor sich.
Ihre Schritte waren langsam und ihre Blicke wirkten gedankenverloren.
Einige Strähnen des schwarzen Haares hingen ihr ins Gesicht,
vielen über ihre Augen und verdeckten die Leere und Trauer,
die sich seit Jahren dort widerspiegelten…
Diesen Weg beschritt sie jeden Tag, dass Wetter spielte keine Rolle.
Das Mädchen blickte ihr nun mit zusammengekniffenen Augen entgegen,
in denen man nun die Tränen sah, die niemals versiegten…
Heute würde sie mit der letzten Sonne des Herbstes untergehen…
Nun blieb sie stehen und für einen Moment
konnte man in ihren grauen Augen alles Leid und allen Schmerz erkennen,
der sie zu einer Trauernden machte…
Sie kniete sich nieder und küsste die Rose in ihren Händen.
Dann legte sie sich in die Umarmung des Laubes und der Efeuranken,
die sich im Laufe der Jahre um das Grab gelegt hatten…
Das Mädchen hielt die Rose fest umklammert in ihren zarten,
weißen Händen und die Dornen bohrten sich in ihre Handflächen
und ließen sie rote Tränen weinen…
Es war das Grab ihres Freundes,
der sie vor langer Zeit allein gelassen hatte.
Ohne sich zu verabschieden, schlief er ein, für immer…
Doch ihre Liebe würde den Tod überdauern…
Sie schloss die Augen und die Tränen rannen ihr warm wie Blut
über die Wangen und sickerten nach und nach ihn die kalte Erde.
In ihren Träumen konnte sie bei ihm sein,
also würde sie jetzt für immer einschlafen…
Der Wind streichelte ihr sanft über das Gesicht
und das rascheln der Blätter war einem Wiegenlied gleich,
dass sie auf die andere Seite gleiten ließ…
Und mit den letzten Strahlen der untergehenden Sonne,
legten sich die Schatten über sie,
wie eine Decke und brachten sie ins Reich der ewigen Träume…
Der erste Frost hatte sich über ihren Körper gelegt
und ließen ihre Tränen zu Eis gefrieren.
Sie war zusammen mit dem sterbenden Herbst gegangen,
ins Reich der auf ewig weinenden Engel…
Das Stück Papier,
dass sie ebenfalls in ihren Händen hielt war die ganze Wahrheit…
Doch der tauende Frost ließ die Schrift in tausend Tränen zerfließen,
sodass niemand die Wahrheit jemals erfahren würde…
Dieses Grab auf dem sie ihren ewigen Schlaf fand,
um wieder bei dem Menschen sein zu können,
denn sie mehr liebte als alles andere, war nicht das ihres Freundes…
Sie hatte vor langer Zeit einen Jungen geliebt,
der aber nicht das gleiche für sie empfand…
Und um den Schmerz des Verlustes und der grausamen Erkenntnis,
dass er sie niemals lieben würde,
vergessen zu können,
prägte sie ihr Herz mit einer ebenso grausamen Lüge…
Sie stellte sich vor, er wäre tot…
mit der Hoffnung,
dass sie den Schmerz dadurch ebenfalls töten würde..
Nach und nach glaubte sie es,
und die Lüge wurde zu ihrer einzigen Wahrheit…
Noch heute geht sie ihren Weg,
wird es bis in alle Ewigkeit tun,
mit einer roten Rose in der Hand,
die nie enden wollenden Tränen in den Augen
und der Liebe und Trauer für einen einzigen Menschen in ihrem Herzen…
Doch die Rose legte sie Tag für Tag,
Jahr für Jahr auf ihr eigenes Grab…
…mit dem Glauben es wäre der Ort,
an dem der Mensch den sie liebt, seine ewigen Träume träumt…
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